Donnerstag, 29. November 2012

Was bringt die Krankschreibung?

Diese Frage habe ich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder mit Freunden und Familie diskutieren müssen. Es war für mich eine völlig neue Erfahrung, wegen "irgendwelcher psychosomatischer Geschichten" der Firma fernzubleiben, kratzte es doch auch mein Selbstbild  an. Außerdem hat man ja ein gewisses Pflichtbewusstsein. Und mir wurde dargelegt, dass ich dadurch doch den Dunklen Lord provoziere, die Situation also noch weiter verschlimmere. Dazu kommen Aussagen von Kollegen, die sich nicht trauen, krank zuhause zu bleiben, da die Arbeit dadurch liegenbleibt und hinterher umsomehr auf dem Tisch liegt.
 
Das sind alles Argumente, die ich in einem gesunden Arbeitsverhältnis akzeptieren würde. Aber beim Mobbing ist das Arbeitsverhältnis zerrüttet, man befindet sich quasi in einem Krieg, und die Priorität muss sein, lebend (ist bei mir nicht das Problem, aber trotzdem ein durchaus ernstzunehmendes Thema) und möglichst heil (sprich: körperlich und geistig unversehrt) aus dem Krieg heraus zukommen. Der Sieg, um in diesem Bild zu bleiben, ist dabei zweitrangig.
 
Nichtsdestotrotz ist die Befürchtung, dass das Arbeitsverhältnis dadurch zusätzlich belastet wird, nicht von der Hand zu weisen. Warum lasse ich mich trotzdem krankschreiben? 
  • Während der Zeit meiner Krankschreibung laufen die Angriffe des Täters (um auch mal ganz bewusst diesen Begriff ins Spiel zu bringen) ins Leere.
  • Ich habe die Möglichkeit, mich währenddessen körperlich wie seelisch zu erholen und neue Kraft zu tanken.
  • Private Dinge, die vorher unerledigt blieben aufgrund der körperlichen bzw. seelischen Erschöpfung, kann ich mit neuer Kraft angehen. Ich habe wieder die Möglichkeit, meinem Hobby nachzugehen, und schöpfe daraus neue Kraft.
  • Geht der Angriff, wie in meinem Fall, vom Vorgesetzten aus, muss dieser die Lücke füllen. Das wiederum kostet seine Zeit und Energie.
  • Gleichzeitig ärgert es ihn, gewaltig sogar. Im besten Falle bis hin zur blinden Wut. Und wer wütend ist, macht Fehler.
  • Und  wenn das Arbeitsverhältnis so zerrüttet ist, dass man ohnehin den Wechsel der Arbeitsstelle als ernstzunehmende Option in Betracht zieht, kann man die Gelegenheit nutzen, seine Bewerbungsunterlagen auf Stand zu bringen und den Stellenmarkt auszuloten.
Es ist also schon sinnvoll, wenn man sich durch eine Krankmeldung einfach mal aus der Schusslinie holt. Und dass Gefühl, sich der Firma gegenüber illoyal zu verhalten - nun ja, das Problem erledigt sich von selbst, wenn man sich einfach mal deren Rolle in dem Stück vor Augen hält.
 
- Nick


 

Kommentare:

  1. Lieber Nick,

    natürlich ist das eine kurzfristige Lösung, doch sollten Sie wirklich an eine dauerhaften Lösung denken, die nicht nur ihren Körper von dem Balast befreit, sondern, ganz wichtig, ihren Geist!
    Versuchen Sie es mit einem Therapeuten. Er wird Ihnen in vielen Dingen helfen können, z.B. sie auf der mentalen Ebene stärken, so dass Sie vorerst besser durch diese "Angriffe" kommen. Außerdem hilft er Ihnen loslassen zu können, denn ich glaube, dass es ziemlich schwierig sein kann (nach 10 Jahren). Ein Versuch hat noch keinem geschadet ;)
    Kopf hoch und gute Besserung!
    LG

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    1. Vielen Dank für den Kommentar. Ja, loslassen ist nicht so einfach. Und über eine mögliche Therapie denke ich gerade nach.

      LG Nick

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  2. Ich finde dein Blog zu diesem Thema sehr interessant, da ich selbst zurzeit in dieser Fase "Mobbing" stecke. ich aber Angst habe davon zu berichten auf meinem Blog.
    Ich habe schon mehrmals das gespräch meines Chefes gesucht, aber ohne Erfolg...
    Ich bin jetzt gerade dabei mir neue Arbeit zu suchen und wenn es ganz schlimm wird mich krankschreiben zu lassen. Einen ärztlichen befund das meine Psyche nicht mehr die beste ist habe ich bereits.
    Durch den Streß den ich seit 3 Monaten habe, haben sich meine Sehstärke extrem verschlechtert obwohl, meine Augen gut sind.(laut Arzt)
    Ich trage nun seit gestern eine Gleitsichtbrille (die es in meinem Alter 22) nun eigentlich garnicht gibt.

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    1. Interessant - wo Du das erwähnst: Auch bei mir geht's auf die Augen. Ich hatte zwar eine Stresskomponente vermutet, aber es mehr aufs Alter geschoben. Was bei Dir ja nicht zutreffen kann.

      Auf alle Fälle wünsche ich Dir Kraft und viel Erfolg im Kampf bzw. bei der Job-Suche.

      LG Nick

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Danke